Rolladen runter, Ärmel hoch!

So in etwa begann unser 2018, als wir uns ganz bewusst für eine achtwöchige Auszeit vom Tagesgeschäft entschieden, um uns neu aufzustellen. Und während wir im Januar nicht wirklich aus dem Nähkästchen dazu plaudern wollten und nur ein kurzes „Ja, wir sind im Umbruch und ja, es geht uns gut“ äußerten, gibt es jetzt für euch rückblickend die ganze Geschichte über unser Agentursabbatical.

Der Begriff „Sabbatical“ ist dabei natürlich ein wenig irreführend. Denn statt den Jakobsweg zu laufen oder hinter Klostermauern zu meditieren war die Agenda vollgepackt mit einer Art 360°-Inspektion des gesamten Unternehmens inklusive Einbau des ein oder anderen Tuning-Pakets. Unter anderem ging es dabei um Prozesse, Strukturen und Digitalisierung ebenso wie um Kommunikation, Portfolio und das Sichtbarmachen bisher unentdeckter Talente im Team. Kurz: Das gesamte Unternehmen wurde einmal auseinander und wieder neu zusammengebaut.

Seinen Anfang nahm das Ganze an einem regnerischen Tag im April 2017, als unser Geschäftsleitungstrio Jörn, Helge und Frank bezüglich der Unternehmensentwicklung zusammensaß. Klar war, dass nach vielen eher kosmetischen Anpassungen in der über 25jährigen Entwicklung des Unternehmens nun ein größerer Schritt gebraucht wird. Und so wandte sich unser Kreativdirektor Helge an Jörn und sagte „Soll ich dir meine verrückteste Idee verraten?“ und erzählte von seinem Plan, die Agentur für drei Monate zuzumachen, um endlich mal dem Hamsterrad zu entkommen, innezuhalten und sich komplett neu zu sortieren. „Wir brauchen eine Art Boxenstopp. Wir müssen die Kiste einmal komplett auseinandernehmen, ein paar neue Teile einbauen und die Flügel flacher stellen.“

„Drei Monate sind zu lang“, war die erste Reaktion von Jörn, „aber die Idee gefällt mir“. Überraschte Blicke und eine Aussage, mit der so keiner gerechnet hatte. „Ich dachte, er würde milde lächeln und uns erklären, dass wir uns das nicht leisten können. Doch von dem Moment an war alles anders. Die Idee hatte sich augenblicklich eingebrannt und ermöglichte uns im weiteren Verlauf eine völlig neue Herangehensweise in diesem Weiterentwicklungsprozess“, beschreibt Frank rückblickend seine ersten Gedanken.

 

Im Frühsommer folgten dann zunächst Einzelgespräche mit dem gesamten Team, um alle mit auf die Reise zu nehmen und im Anschluss mehrere Workshops der Geschäftsleitung, bei denen das Trio unter methodischer Begleitung eine Roadmap entwickelte. Beschrieben wurde darin der weitere Weg unserer Agentur bis ins Jahr 2025. Neben einer klaren Vision und einem gemeinsamen Purpose war das Papier gegliedert in fünf strategische Säulen sowie entsprechende Handlungsfelder.

Im Herbst wurde diese Roadmap dann dem Team vorgestellt und damit begann auch schon die wesentliche Planung des „Sabbatical“. Wichtig war dabei vor allem eine räumliche Trennung vom Agenturgeschäft, denn wie Jörn dazu sogar Einstein zitierte: „Wir können die Probleme von morgen nicht an den Schreibtischen von gestern lösen.“ Also wurden Räume gesucht und mit ein wenig Glück sogar in Laufentfernung zur Agentur gefunden. Unsere Art Direktorin Ann-Marie und unsere Innenarchitektin Florence sowie ein Team von Schreinern und MitarbeiterInnen aus der Eventproduktion nutzten die Weihnachtsferien, um die eher nüchternen Räume in einem alten Industriegebäude - wie man so schön sagt - für kreatives Arbeiten zu pimpen.

 

Ende Januar fiel dann der Startschuss. Von der Praktikantin über ProjektmanagerInnen und Kreative bis zum Geschäftsführer waren alle am Start, um auf Augenhöhe und mit großer Leidenschaft in interdisziplinär zusammengestellten Gruppen zu arbeiten. An konkreten Ideen, an neuen Lösungen und an fast jedem Stellrad des Unternehmens. Acht Wochen lang und nur unterbrochen von einem täglichen gemeinsamen Mittagessen, zum Kräfte sammeln und natürlich Klischee-Agenturkickern.

„Die Ergebnisse können sich wirklich sehen lassen“, sagt Jörn rückblickend und nicht ohne Stolz. „Unser Plan war, neben der inhaltlichen Neuausrichtung, in Zukunft deutlich weniger vorzugeben und stattdessen unsere MitarbeiterInnen viel stärker eigenverantwortlich in die Weiterentwicklung des Unternehmens einzubinden. Letztendlich sind sie die ExpertInnen in ihrem jeweiligen Bereich und wissen am besten, was sich dort verändern muss.“ „Diese Erkenntnis ist natürlich nicht neu. Vieles davon summiert sich ja gerade unter dem Buzzword ‚New Work‘ und einige sind da sicher auch schon deutlich weiter als wir“, ergänzt Helge, „aber jedes Unternehmen macht das in seiner Geschwindigkeit und zu seiner Zeit. Unsere ist jetzt.“ Alle Ergebnisse und künftigen Neuerungen werden wir natürlich noch nicht verraten. Und wenn man Jörn dabei ins Gesicht sieht und er verschmitzt lächelt, weiß man, was er dazu denkt: „Die tapferen Gallier haben den Römern das Rezept ihres Zaubertranks schließlich auch nie verraten.“

 

Ein paar Dinge seien an dieser Stelle dann aber doch noch erzählt. So ist unter anderem eine neue Agentur-Software bereits im Einsatz und der Umzug aller Daten auf einen eigenen Cloud-Server im benachbarten Rechenzentrum fast abgeschlossen. Ein browserbasiertes Intranet und ein Agentur-Wiki zum optimalen Wissenstransfer werden gerade nach den Vorstellungen der entsprechenden Arbeitsgruppe programmiert. Das bisherige Organigramm wurde, nicht zuletzt auf Basis individueller Talentprofile, teilweise neu sortiert und eine neu formierte Führungsriege sowie definierte Experten im Unternehmen werden künftig für bereichsübergreifende Aufgaben wie beispielsweise Talentmanagement, Ressourcensteuerung und das Thema Nachhaltigkeit verantwortlich sein.

Die im Hintergrund schon lange vorbereitete Erweiterung des Portfolios von Live - um den Bereich digitale Kommunikation schließlich markiert die - zumindest nach außen - wichtigste Weiterentwicklung und wird bereits in Kürze sichtbar werden. Und eine große Änderung steht auch schon kurz bevor, hierfür gilt aber leider noch aller oberste Geheimhaltungspflicht.

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